Gestern feierte ein längerer Beitrag in der Times (erstaunlicherweise im Frauen-Magazin…) die Transition-Town-Bewegung als „wachsende Armee von Lokalhelden“, die „entschlossen sind, die dunkelste Stunde der Menschheit in ihre stolzeste zu verwandeln“. Eine gute Gelegenheit, auch an dieser Stelle einen Überblick dessen zu geben, was in den letzten zwei Jahren geleistet worden ist, seitdem Transition Town Totnes im September 2006 die offizielle Startveranstaltung gefeiert hat:
- Es gibt inzwischen weltweit 114 „offizielle“ Transition-Initiativen, davon 83 in Großbritannien, 11 in Australien, 7 in Neuseeland, 5 in den USA, 3 in Irland und jeweils eine in Chile, Deutschland, Italien, Japan und den Niederlanden.
- Die Bewegung ist nicht mehr nur auf Kleinstädte und deren Umland beschränkt, es gibt bereits Initiativen in Bristol, Nottingham, Sydney, Berlin (Kreuzberg-Friedrichshain) und London (Brixton). Sogar in Los Angeles gibt es erste Regungen!
- Für mehr als 700 weitere Orte auf der ganzen Welt haben sich „Mullers“, die die Gründung einer Transition-Initiative in Erwägung ziehen, in die entsprechenden Google-Karten eingetragen (Google-Karte mit Interessenten für Europa und den Rest der Welt).
- In Totnes und Lewes wurden Lokalwährungsprojekte gestartet („Totnes Pound“ und „Lewes Pound“), die bei der Bevölkerung auf große Resonanz stoßen.
- Unter der Schirmherrschaft des bekannten britischen Fernsehkochs Hugh Fearnley-Whittingstall wurde in Totnes ein Gardenshare-Programm gestartet, bei dem ambitionierte Gemüsegärtner ohne eigenes Land mit Leuten zusammengebracht werden, die einen großen Garten, aber keine Zeit haben, diesen zu bewirtschaften. Die Erträge werden dann zwischen beiden geteilt.
- Der Somerset County Council hat im Juli 2008 als erste kommunale Verwaltungsbehörde beschlossen, die Aufnahme in das Transition Network zu beantragen (wir berichteten). Auch im Forest of Dean konnte sich die örtliche Transition-Initiative bereits erfolgreich in die Kommunalpolitik einbringen.
- Die schottische Regionalregierung hat den schottischen Transition-Initiativen im Juni 2008 Mittel aus ihrem „Climate Challenge Fund“ zur Verfügung gestellt.
- Die nächste Version des Transition Handbook (Originaltitel von „Energiewende – das Handbuch“) wird im Internet kollektiv erstellt.
- Das Transition Forum ermöglicht einen übergreifenden Gedankenaustausch im Internet.
- Die Transition-Town-Bewegung brachte es durch die in ganz Großbritannien gehörte Radio-Soap „The Archers“ zu landesweiter Berühmtheit. Früher konnte man die Sendung in Nord- und Westdeutschland am frühen Nachmittag auf BFBS hören, leider weiß ich nicht, ob dies heute noch möglich ist.
- Die Transition-Initiativen in Großbritannien sind gerade eifrig dabei, gemeinsam einen Transition-Film auf die Beine zu stellen.
- Momentan arbeitet Peter North von der Uni Liverpool an einem speziellen Transition-Handbuch zum Thema Regionalwährungen. Redaktionsschluss ist im Februar 2009, bis dahin ist er für jede Anregung dankbar!
- Auf dem Transition Network Strategy Day im September 2008 in Bristol wurden erste Überlegungen angestellt, wie aus den einzelnen lokalen Transition-Initiativen übergreifende Strukturen entstehen können. Zu den dort angerissenen Themen gehörten die Finanzierung, die großstädtische, (bio-)regionale, nationale und internationale Vernetzung von Initiativen, die Frage eines Wahl- und Entscheidungsfindungssystems und die Bedeutung des „Transition-Markenzeichens“. Auch weitergehende Schritte, wie etwa „Transition Business“ (Consulting-Leistungen für Unternehmen) „Transition Local Government“ (Consulting-Leistungen für Lokalbehörden), „Transition Skills“ (Schulungsprogramm) und „Transition Universities“ (Aufbau eigener Lehr- und Forschungseinrichtungen bzw. die Beeinflussung bestehender Institutionen), wurden ins Auge gefasst.
- Am 27./28. November 2008 findet in Nottingham die erste große Transition Cities Conference statt. Dank der großzügigen Unterstützung des Nottingham City Council kann dafür das Nottingham Arena-Kongresszentrum genutzt werden.
Zum Abschluss möchte ich Maggie Johns von Transition Hervey Bay in Australien das Wort geben, die in dem erwähnten Times-Artikel zitiert wird: „Früher erschien alles so sinnlos. Was sollte es schon bringen, ein paar Glühbirnen auszutauschen? Du meine Güte, das Schelfeis bricht ab! Aber wenn man dann mitbekommt, dass mehr und mehr Städte auf den Transition-Zug aufspringen, jede davon mit einer Armee engagierter Freiwilliger, sieht das Ganze schon viel realistischer aus.“